Auszug aus Katalogtext IRRGAST in Martha´s Garden,
BWA Galeria Sztuki in Olsztyn, Polen 2022

Seltsame Wesen und Dinge betreten die Bühne, besiedeln die Wände. Und wie auf einer Bühne sind uns die Figuren ein Gegenüber, nah und fern, fremd und vertraut. Wie empfindliche Exponenten der Mitzeit drücken sie etwas aus, was (noch) im Unbewussten steckt. Was wir sehen, bezieht sich - auch - auf das Gestaltlose, auf das Off jeder Darstellung. Hildegard Skowaschs Figuren werden als ein von irgendwo her ins Bild-Kommendes in Szene gesetzt und zu emotionaler Fülle gebracht, die auch den Augenblick des Umschlags, den Übertritt über eine Schwelle einfängt. Die Einbildungskraft spinnt die Szenen, die Begegnungen, die vielstimmige, reiche Konversation, die unter den Gebilden herrscht, weiter. Im Sehen geschieht ein Andersehen. In diesem Schauraum wird immer auch auf einen anderen, nicht sichtbaren Raum angespielt, aus dem die Figuren sich erst herauslösen, um durch ihren Eintritt ein mobilisierendes Ereignis in Szene zu setzen. Hier geht es um die Bildlichkeit selbst, um ihre entstaltende Phantasie, ihre Wildheit und Freiheit. Souverän verarbeitet Hildegard Skowasch unterschiedliche Einflüsse der Kunstgeschichte. Die Pop Art, der beseelte Minimalismus, Art brut und ein subversiver Surrealismus gehen hier unvorhersehbare Liaisonen ein. Hier nähert sich Hohes und Niedriges, Großes und Nichtiges, Weises und Naives aneinander an, schließen sich zusammen, verloben und verbinden sich.

Dorothée Bauerle-Willert

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